Monatelang wurde darüber geredet, was passiert, wenn die Folgen des Brexits in Frankfurt ankommen und nun sehen wir die ersten Anzeichen, wie es werden könnte. Die ersten Bankmitarbeiter siedeln sich langsam in der Rheinmain-Metropole an und diverse Banken sind schon eifrig mit dem Umzug nach Frankfurt beschäftigt.
Doch Großbritanniens Entscheidung für den Austritt aus der EU hat noch ganz andere Folgen: London verliert nicht nur für Banken an Attraktivität, sondern auch für viele andere Finanzfirmen, die ihre Zukunft nun verstärkt in Hessens Bankenmetropole sehen.
Dies führt dazu, dass mehr Wohnraum und mehr Personal in sämtlichen Bereichen benötigt wird-vor allem aber in jedem Sektor, der Internationalität fordert. Dazu gehören internationale Schulen oder Kindertagesstätten genauso wie die Finanzbranche.
Gehälter könnten dann auf Dauer ansteigen und die Wirtschaftsleistung Hessens könnte sich merklich verbessern. Mehr Arbeitsplätze entstehen und generell fließt mehr Geld nach Frankfurt und Hessen.
In welchem Ausmaß sich diese Veränderung bemerkbar macht, ist jetzt noch unklar, solange die Verhandlungen zwischen Brüssel und London geführt werden. Klar ist jedoch, dass der Brexit Veränderungen in Frankfurt herbeiführen wird.
Diese könnten allerdings auch geringer ausfallen als bisher erwartet:
Paris kristallisiert sich als starker Konkurrent heraus. Viele Firmen und Banken erwägen sogar sich nicht zentralisiert auf einen Standort festzulegen, sondern sich an verschiedene Standorte anzusiedeln um somit Mobilität und Flexibilität europaweit zu gewährleisten.
Doch jede Medaille hat eine Kehrseite: Es ist eine Gradwanderung Frankfurts gesellschaftlichen Multikulturalismus beizubehalten, wenn die Upperclass Londons ihr Machtzentrum hier eröffnet.
Internationalität und Weltoffenheit machen Frankfurt zu der charmanten Bankenmetropole, die sie heute ist. Vielseitigkeit und Universalität prägen das Frankfurter Gesellschaftsbild. Verschiedenen Gesellschaftsschichten leben hier friedlich zusammen und bestimmen dieses einzigartige Flair der Stadt.
Doch dieser Charme könnte durch eine soziale Eindimensionalität ersetzt werden.
Eine Verteilung der Londoner Arbeiter an verschiedene Standorte wäre im Hinblick auf die gesellschaftlichen Folgen also durchaus vorteilhaft.
Der Immobilienmarkt spürt ebenfalls seit einiger Zeit die Auswirkungen: Immobilienpreise steigen an und innerstädtisch sind kaum noch Objekte für den Ottonormalverbraucher zu finden. Luxusimmobilien wurden verstärkt gebaut und man rechnet mit einem starken Zuwachs an deren Bedarf.
Unabhängig davon, welches Ausmaß der Austritt Großbritanniens auf Frankfurt hat, die Stadt wird sich den neuen Einwohnern und deren Bedürfnissen anpassen müssen. Die Politik wird ebenfalls sich vor neuen Herausforderungen sehen um den neuen und alten Bürgern gerecht zu werden.

